Das Theater Katerland erhält den Kulturpreis des Kantons Zürich

14.02.2019 - Medienmitteilung

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Katerland, Graham Smart und Taki Papaconstantinou, Preisträger

Gestützt auf die Vorschläge der kantonalen Kulturförderungskommission hat der Regierungsrat die kulturellen Auszeichnungen und Preise des Kantons Zürich für 2019 vergeben. Der Kulturpreis geht an das Theater Katerland, die beiden Förderpreise an die Autorin und Spoken-Word-Poetin Amina Abdulkadir und an die Regisseurin Nele Jahnke. Die Goldene Ehrenmedaille erhält der Schriftsteller und Filmemacher Peter K. Wehrli.  

Der mit 50'000 Franken dotierte Kulturpreis des Kantons Zürich geht 2019 an das in Winterthur beheimatete Theater Katerland. Damit zeichnet der Regierungsrat eine Theaterinstitution aus, die mit ihren herausragenden Inszenierungen im Kinder- und Jugendtheater im deutschsprachigen In- und Ausland grosse Beachtung findet.

1989 gründeten Graham Smart und Taki Papaconstantinou, die beide in Winterthur aufgewachsen sind, gemeinsam das Theater Katerland. Seit 30 Jahren zeigt das Theater Katerland erstklassiges Kindertheater, seit 20 Jahren unter dem Namen «bravebühne» auch theatrale Experimente für Jugendliche und Erwachsene.

Die Leiter des Theaters Katerland, zwei ausgebildete Theaterpädagogen und Schauspieler, ergänzen sich künstlerisch optimal: Graham Smart ist ein wandlungsfähiger Schauspieler, Taki Papaconstantinou führt meistens Regie und experimentiert dabei gerne mit audiovisuellen Medien. Mit der Auswahl der Stücke greifen die beiden immer wieder Themen auf, die Kinder und Jugendliche betreffen: sie hinterfragen Klischees und Geschlechterrollen, erwecken vergessene Helden zum Leben oder erzählen davon, wie mit der Kraft der Fantasie Verrücktes gewagt und erlebt werden kann. Die grosse Resonanz bei Kindern und Jugendlichen ist auch auf die Wahl erstklassiger Stücke und die zeitgenössische Ästhetik zurückzuführen, die meistens als Schweizer Erstaufführung auf die Bühne gebracht werden. Ab und zu entwickeln die Leiter auch eigene Stoffe oder bringen Stücke von Schweizer Autorinnen und Autoren zur Uraufführung.

Als regelmässiger Gast im (deutschsprachigen) Ausland und an Festivals ist das Theater Katerland ausserdem ein guter Botschafter des hiesigen Kinder- und Jugendtheaters und auch ein Aushängeschild der Theaterszene des Kantons Zürich. Für seine herausragende Arbeit im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters erhält das Theater Katerland den diesjährigen Kulturpreis des Kantons Zürich.

Förderpreise an Amina Abdulkadir und Nele Jahnke

Die beiden Förderpreise von je 30'000 Franken gehen in diesem Jahr an zwei junge Künstlerinnen, die mit ihrem Schaffen gerade erst begonnen haben und doch bereits weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen werden.

Amina Abdulkadir, (*1985 in Mogadiscio) – der Vater ist Somalier, die Mutter Schwei-
zerin –, studierte an der École polytechnique fédérale de Lausanne und liess sich zur Ergotherapeutin ausbilden. Sie hat bereits als Kind Anfang der 1990er-Jahre zu schreiben begonnen. Seit 2015 arbeitet sie als freischaffende Autorin und Spoken-Word-Poetin in Zürich. Im gleichen Jahr erschien ihr Buch «Alles, nichts und beides». Ihre Auftritte an Poetry-Slams, Festivals und Fachtagungen führen sie durch die Schweiz, nach Deutschland und Österreich. Ihre Texte irritieren und schärfen den Blick für Unhinterfragtes: Sei es durch Hinweise auf unseren alltäglichen Sprachgebrauch oder Erläuterungen, was es heisst, als Schweizerin mit dunkler Haut immer wieder in Polizeikontrollen zu geraten. Amina Abdulkadir sensibilisiert ihr Publikum und ihre Leserschaft für aktuelle Themen durch genaues Hinschauen und überraschende Wendungen. Ihre Themen gehen weit über «Racial Profiling» und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hinaus. Mit Charme und subtilem Witz spricht und schreibt sie über alles, was Begegnungen und Beziehungen zwischen Menschen ausmachen. Der Förderpreis 2019 soll die Wortakrobatin ermutigen, ihre künstlerische Arbeit fokussiert weiterzuverfolgen.

Nele Jahnke (*1984) lebt und arbeitet in Zürich. Sie schloss an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ihr Regiestudium mit dem Master of Arts ab. 2012 nahm sie ihre Tätigkeit als künstlerische Mitarbeiterin beim Zürcher Theater HORA auf, dem einzigen professionellen Theater der Schweiz, dessen Ensemblemitglieder alle eine IV-zertifizierte «geistige Behinderung» haben. Seit 2013 ist Nele Jahnke Teil der künstlerischen Leitung des Theaters HORA. In dieser Zeit entstanden u.a. die international beachteten Zusammenarbeiten mit Milo Rau, Jérôme Bel und dem Schauspielhaus Zürich. Nele Jahnke führte bei verschiedenen Stücken mit dem HORA-Ensemble selber Regie, u.a. bei «Normalität – ein Musical», das beim Wildwuchs Festival in Basel zu Gast war. Sie konzipierte ebenso das Langzeitprojekt «Freie Republik HORA», in welchem die HORA-Schauspielerinnen und Schauspieler selber Regie führen. Nele Jahnke arbeitet auch als Performerin, u.a beim Stück «Work» von Phil Hayes, aufgeführt in der Gessnerallee Zürich, Kaserne Basel und im Vidy in Lausanne. Für Nele Jahnke ist Theater ein Mittel um Diversitäten in unserer Gesellschaft zu untersuchen. Sie überrascht mit Experimenten und neuen Vermittlungsformaten und fordert dabei nicht nur das Publikum, sondern auch die Schauspieler/innen heraus. Mit dem Förderpreis 2019 wird ihr vielversprechendes künstlerisches Talent ausgezeichnet.

Goldene Ehrenmedaille an Peter K. Wehrli

Die Goldene Ehrenmedaille des Kantons Zürich geht in diesem Jahr an den Schriftsteller und Filmemacher Peter K. Wehrli. Damit zeichnet der Regierungsrat eine Persönlichkeit aus, die sich neben der eigenen künstlerischen Arbeit immer auch für die Vermittlung zwischen den Kulturen engagiert hat.

Peter K. Wehrli (*1939) studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Zürich und Paris. Von 1965 bis 1999 arbeitete er als Kulturredaktor und Filmemacher beim Schweizer Fernsehen. Er ist ein Kenner der Weltliteratur und hat sich grosse Verdienste erworben in der Vermittlung von aussereuropäischer, insbesondere der portugiesisch-sprachigen Literatur. Er ist seit vielen Jahren Vizepräsident des eurobrasilianischen Kulturzentrums «Julia Mann» in Paraty, Rio de Janeiro, Brasilien und arbeitet weiterhin als Redaktionsmitglied der Schweizer Literaturzeitschrift «Orte».

Erlebnisse seiner ausgedehnten Reisen hält Peter K. Wehrli vorwiegend in Form von Kurzprosa fest. Seit über 40 Jahren feilt er an seinem Hauptwerk, dem «Katalog von Allem», in dem er einzelne Beobachtungen, nummeriert und mit einem Stichwort versehen, meist in einem Satz möglichst präzis zu beschreiben sucht. Ab 1975 ist dieses Werk in Einzellieferungen mit einem Ringordner erschienen, 1999 in einer ersten umfassenden Buchausgabe im Verlag Albert Knaus. Die neuste Bearbeitung wurde 2008 im Zürcher Ammann Verlag publiziert. Es ist ein eindrückliches und glaubwürdiges Dokument, nicht nur seines schriftstellerisch-aphoristischen Könnens, sondern auch seiner unermüdlichen Vermittlungstätigkeit zwischen den Welten. Für sein literarisches Schaffen und seine vielfältige Tätigkeit als Brückenbauer zu ausländischen Kulturen wird Peter K. Wehrli mit der Goldenen Ehrenmedaille des Regierungsrates 2019 ausgezeichnet.

Hinweis an die Redaktionen

Die Preisverleihungen finden im zweiten Halbjahr 2019 statt. Die Einladungen werden zu gegebener Zeit verschickt.

(Medienmitteilung des Regierungsrates)

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