Förderpreise 2019 für Amina Abdulkadir und Nele Jahnke

Die beiden Förderpreise von je 30'000 Franken gehen in diesem Jahr an zwei junge Künstlerinnen, die mit ihrem Schaffen gerade erst begonnen haben und doch bereits weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen werden.

Amina Abdulkadir

Amina Abdulkadir, (*1985 in Mogadiscio) – der Vater ist Somalier, die Mutter Schweizerin –, studierte an der École polytechnique fédérale de Lausanne und liess sich zur Ergotherapeutin ausbilden. Sie hat bereits als Kind Anfang der 1990er-Jahre zu schreiben begonnen. Seit 2015 arbeitet sie als freischaffende Autorin und Spoken-Word-Poetin in Zürich. Im gleichen Jahr erschien ihr Buch "Alles, nichts und beides". Ihre Auftritte an Poetry-Slams, Festivals und Fachtagungen führen sie durch die Schweiz, nach Deutschland und Österreich. Ihre Texte irritieren und schärfen den Blick für Unhinterfragtes: Sei es durch Hinweise auf unseren alltäglichen Sprachgebrauch oder Erläuterungen, was es heisst, als Schweizerin mit dunkler Haut immer wieder in Polizeikontrollen zu geraten. Amina Abdulkadir sensibilisiert ihr Publikum und ihre Leserschaft für aktuelle Themen durch genaues Hinschauen und überraschende Wendungen. Ihre Themen gehen weit über "Racial Profiling" und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hinaus. Mit Charme und subtilem Witz spricht und schreibt sie über alles, was Begegnungen und Beziehungen zwischen Menschen ausmachen. Der Förderpreis 2019 soll die Wortakrobatin ermutigen, ihre künstlerische Arbeit fokussiert weiterzuverfolgen.

Nele Jahnke

Nele Jahnke (*1984) lebt und arbeitet in Zürich. Sie schloss an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ihr Regiestudium mit dem Master of Arts ab. 2012 nahm sie ihre Tätigkeit als künstlerische Mitarbeiterin beim Zürcher Theater HORA auf, dem einzigen professionellen Theater der Schweiz, dessen Ensemblemitglieder alle eine IV-zertifizierte “geistige Behinderung“ haben. Seit 2013 ist Nele Jahnke Teil der künstlerischen Leitung des Theaters HORA. In dieser Zeit entstanden u.a. die international beachteten Zusammenarbeiten mit Milo Rau, Jérôme Bel und dem Schauspielhaus Zürich. Nele Jahnke führte bei verschiedenen Stücken mit dem HORA-Ensemble selber Regie, u.a. bei "Normalität – ein Musical", das beim Wildwuchs Festival in Basel zu Gast war. Sie konzipierte ebenso das Langzeitprojekt "Freie Republik HORA", in welchem die HORA-Schauspielerinnen und Schauspieler selber Regie führen. Nele Jahnke arbeitet auch als Performerin, u.a beim Stück "Work" von Phil Hayes, aufgeführt in der Gessnerallee Zürich Kaserne Basel und im Vidy in Lausanne. Für Nele Jahnke ist Theater ein Mittel um Diversitäten in unserer Gesellschaft zu untersuchen. Sie überrascht mit Experimenten und neuen Vermittlungsformaten und fordert dabei nicht nur das Publikum, sondern auch die Schauspieler/innen heraus. Mit dem Förderpreis 2019 wird ihr vielversprechendes künstlerisches Talent ausgezeichnet.

Förderpreisträger seit 2009

JahrPreisträger
2018 Katja Brunner / Lea Moro 
2017Evelinn Trouble / Reto Boller
2016Golda Eppstein
2015Jurczok
2014Esther Eppstein
2013Galatea Quartett
2012Sophie Hunger
2011Samuel Schwarz
2010Zimmermann & de Perrot
2009Helsinki Klub / Tom Rist