Förderpreis

Der Regierungsrat des Kantons Zürich verleiht jedes Jahr auf Vorschlag der kantonalen Kulturförderungskommission zwei Förderpreise. Mit dieser Auszeichnung werden Personen oder Gruppen ausgezeichnet, deren künstlerische oder kulturvermittelnde Arbeit qualitativ hochstehend ist und ein grosses Entwicklungspotential aufweist. Der Förderpreis ist mit 30'000 Franken dotiert.

Förderpreise 2018 für Katja Brunner und Lea Moro

Die diesjährigen Förderpreise von je 30'000 Franken gehen an Katja Brunner und Lea Moro. Die beiden jungen Künstlerinnen stehen zwar noch am Anfang ihrer Karriere, ihr Werk sorgt jedoch bereits heute weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen.

Katja Brunner

Der eine Förderpreis geht an die in Zürich und Berlin lebende Dramatikerin Katja Brunner (*1991). Sie studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel sowie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin. Im Alter von erst 18 Jahren verfasste sie im Rahmen des Autorenförderungs-projekts «Dramenprozessor» am Theater an der Winkelwiese das Stück «Von den Beinen zu kurz».  Darin thematisiert sie den sexuellen Missbrauch in der Kleinfamilie, reflektiert das Opfer-Täter-Schema schonungslos aus der Nähe. Mit diesem Stück gewann sie 2013 den Mülheimer Dramatikerpreis und ist damit die jüngste Preisträgerin in der Geschichte dieser renommierten Auszeichnung. Im gleichen Jahr wurde sie von der Kritiker-Jury der Fachzeitschrift «Theater heute» zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt und mit ihrem Text «Die Hölle ist auch nur eine Sauna» zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. In der Spielzeit 2014/2015 war Katja Brunner Hausautorin am Theater Luzern, wo sie eine eigene Late Night Show unterhielt. Sie selbst hat eine Vorliebe für interdisziplinäre Projekte und ungewohnte Zusammenarbeiten, tritt gerne auch als Performerin an die Öffentlichkeit, u.a. bei Produktionen von Salome Schneebeli oder Ivna Zic. Katja Brunner ist eine Dramatikerin, die in ihren Arbeiten die grossen Themen unserer Zeit aufgreift und damit eine junge Perspektive auf unsere Bühnen bringt. Die Resonanz ist überwältigend, ihre Werke werden im ganzen deutschsprachigen Raum gespielt.

Lea Moro

Der andere Förderpreis 2018 geht an die ebenfalls in Zürich und Berlin lebende Tänzerin und Choreografin Lea Moro (*1987). Sie studierte Tanz und Choreografie an der Scuola Teatro Dimitri in Verscio, dem LABAN Centre in London und dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin (HZT). Die Bühnenarbeiten der jungen Tänzerin und Choreografin zeichnen sich aus durch Humor, Intelligenz und Sorgfalt. Sie hat sich auf die Verbindung von vermeintlich Gegen-sätzlichem spezialisiert. In «(B)reaching stillness», ihrer Studie zur Dialektik von Bewegung und Stillstand, beschäftigt sich Lea Moro mit der Herausforderung der Bewegungslosigkeit im Tanz. Das Stück wurde 2015 an der Deutschen Tanzplattform sowie an den Zeitgenössischen Schweizer Tanztagen gezeigt. Das Jahrbuch 2015 der Zeitschrift «tanz» führte sie anschliessend unter den Hoffnungsträger/-innen für den zeitgenössischen Tanz auf. In ihrem darauffolgenden Solo «The End of the Alphabet» kurvt Lea Moro auf Rollschuhen über die Bühne. Vordergründig erinnert das Stück an das Musical «Starlight Express», doch Moro bricht diese Hochglanzästhetik durch einen nicht perfekten Gesang und eine teils wackelige Choreografie humorvoll und ironisch; das Ganze wirkt fragil und prekär. Moros Arbeiten bestechen durch ihre Professionalität und durch „diese Mischung aus Draufgängertum und Unbekümmertheit“ (Martina Wohltat, Magazin „tanz“, August/September 2017). Mit ihren insgesamt vier abendfüllenden Tanzproduktionen tourt Lea Moro mittlerweile europaweit.

Preisfeier Förderpreise 2018

Regierungsrätin Jacqueline Fehr überreichte am Dienstag, 6. Juni 2018 die beiden Förderpreise an Katja Brunner und Lea Moro. Die Laudatio für Katja Brunner hielt die österreichische Dramatikerin Gerhild Steinbuch, die Laudatio für Lea Moro hielt Tobias Brenk, künstlerischer Direktor des Theaterfestivals Basel. Musikalisch umrahmt wurde die Preisfeier von den Musikerinnen Becky Lee und Réka Csiszér.

Fotos: Peter Baracchi 

Förderpreisträger seit 2009

JahrPreisträger
2017Evelinn Trouble / Reto Boller
2016Golda Eppstein
2015Jurczok
2014Esther Eppstein
2013Galatea Quartett
2012Sophie Hunger
2011Samuel Schwarz
2010Zimmermann & de Perrot
2009Helsinki Klub / Tom Rist