Kulturpreis 2018: Irène Schweizer

Der Kulturpreis 2018 geht an die Jazzpionierin und Pianistin Irène Schweizer. Damit zeichnet der Regierungsrat ein künstlerisches Lebenswerk aus, das den Schweizer Jazz massgebend geprägt und sich international etabliert hat.

© Francesca Pfeffer

Irène Schweizers Musikerinnenkarriere könnte einem Tellerwäscherroman entstammen. Ganz am Anfang ihres künstlerischen Werdegangs steht die Handorgel, deren Spiel sie als Kind lernte. Danach spielte sie Schlagzeug und Klavier, vorerst autodidaktisch, später nahm sie Unterricht bei einem Privatlehrer. Als Vierzehnjährige war sie Mitglied einer Dixieland-Band, besuchte später eine Handelsschule und verdiente ihr erstes Geld als Sekretärin. Ab 1958 wendete sie sich dem Modern Jazz zu und trat bis 1961 alljährlich mit den Modern Jazz Preachers am Amateurfestival in Zürich auf, 1960 als Siegerin. Begegnungen mit Abdullah Ibrahim und Chris McGregor im legendären Jazzcafé Africana in Zürich und 1966 mit Cecil Taylor führen sie zum Free Jazz. Ab 1976, als sie beim Jazz Festival Willisau einen legendären Erfolg feierte, gab sie auch Solo-Konzerte. Was danach kommt, sind Zusammenarbeiten mit Musikerinnen und Musikern der internationalen Jazz-Szene, jedes Konzert eine Referenz an die Avantgarde.

Neben ihrer musikalischen Tätigkeit stand sie schon früh als Feministin für die Gleichstellung der Frau ein. Ende der 70er Jahre war sie Mitglied der Feminist Improvising Group, später gründete sie das Trio Les Diaboliques mit Joëlle Léandre und Maggie Nicols. Das Zürcher Kulturleben hat sie jedoch nicht nur als Musikerin, sondern auch als Mitinitiantin des Taktlos Festivals und des Labels Intakt Records mitgestaltet. Mit der Vergabe des Kulturpreises an Irène Schweizer würdigt der Regierungsrat eine Ausnahmemusikerin und Kulturaktivistin

Preisfeier Kulturpreis 2018

Regierungsrätin Jacqueline Fehr überreichte am Donnerstag, 31. Mai 2018 der Jazzpionierin Irène Schweizer den Kulturpreis 2018. Patrick Landolt von Intakt Records - er hatte die erste Schallplatte von Irène Schweizer veröffentlicht -  hielt die Laudatio. Die Preisfeier wurde musikalisch von Sarah Chaksad und ihrem Trio begleitet. 

Fotos: Peter Baracchi